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Venedig – teures Erlebnis? Nicht unbedingt!

Vor einigen Jahren war ich bereits schon eimal in Venedig. Ich fand es enttäuscht, jedoch nicht wegen der Stadt, sondern weil wir damals mit unserem Abschlussjahrgang dort waren. Als Aufgabe hatten einige von uns eine Stadtführung bekommen. Unsere Stadtführer jedoch fanden den Treffpunkt nicht (kein Wunder bei all den verwinkelten Gassen und Straßen in Venedig) und so haben wir zwei Stunden auf dem Markusplatz gewartet.

Viel gesehen von Venedig hatte ich also noch nicht, als ich und meine Freundin beschlossen diese Reise zu buchen. Die Auswahl für unser Ziel fiel uns sehr schwer, da ich etwas wollte das am Strand lag und sie lieber eine typische Stadttour machen wollte.Die günstigen Flugpreise mit Ryanair haben uns schließlich überzeugt und so buchten wir einen Direktflug von Berlin Schönefeld nach Venedig für knapp 70€. Ich war gespannt darauf, auch mal andere Ecke von Venedig kennen zu lernen.

Wie gewohnt war es auf dem Ryanairflug sehr beengt, aber auch das konnte unsere Vorfreude nicht mildern.

Vom Flughafen aus nahmen wir für 8€ einen Bus, der uns bis zur Piazza Roma fuhr. Und da in Venedig keine Autos fahren dürfen, mussten wir zu unserem Hotel in der brütenden Hitze laufen. Das ist gar nicht so einfach, bietet Venedig doch viele Möglichkeiten sich zu verlaufen. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir aber dennoch unser Hotel “House del Pozzo” gefunden.

Von unserem Zimmer aus hatte man einen tollen Blick auf den darunter liegenden Kanal und die Fische, die darin schwammen. Auch das Hotelzimmer war für den Preis (ca. 30€ pro Nacht) absolut annehmbar. Es war modern eingerichtet und sauber, zwar mussten wir uns das Bad, welches am Ende des Flurs lag, mit einem älteren chinesischen Ehepärchen teilen, aber das merkten wir kaum. Und dafür hatten wir immerhin etwas Geld gespart.

Als erstes beschlossen wir eine kleine Erkundungstour durch Venedig zu unternehmen. Unser Hotel lag etwas außerhalb, im günstigsten Stadtteil von Venedig, Cannaregio. Nachdem wir einige Brücke überquert, uns durch die vielen verwinkelten Gassen und Touristenmassen gekämpft hatten, kamen wir endlich an der Rialtobrücke an.

Bei meinem ersten Besuch in Venedig hatte ich sie lange gesucht, jedoch nie gefunden. Man übersieht die Brücke auch leicht, denn an beiden Seiten sind zahlreiche Läden für Schmuck, Souvenirs und Handtaschen.

Danach waren wir noch an der Frarikirche und natürlich auch am Canal Grande. Wir haben auch versucht zum Markusplatz zu gelangen, habenihn leider jedoch noch nicht gefunden. Nachdem wir erschöpft waren vom vielen Rumlaufen, entschlossen wir uns erstmal wieder ins Hotel zurückzukehren.

Abends gingen wir dann etwas Trinken. Da Venedig sehr teuer ist, erkundigten wir uns vorher im Internet wo es günstige Bars gibt. Schließlich fanden wir eine Bar, welche verhältnismäßig wenig kosten sollte. Als wir jedoch dort ankamen, mussten wir feststellen, dass sie geschlossen war. Ein paar Meter entfernt fanden wir jedoch eine weitere Bar, wo ein Bier 2,50€ kostete. Als wir uns jedoch hinsetzen wollten, verlangte man einen weiteren Euro. Also setzten wir uns lieber ans Ufer des Canale Grande. Wir blieben ein wenig da und beobachteten das Treiben der Menschen in unser näheren Umgebung. Wir waren erstaunt, dass so viele Menschen noch unterwegs waren.

Da wir jedoch noch ziemlich erschöpft waren von unserem Flug, beschlossen wir bald nach Hause zu gehen.

Und das war unser größter Fehler.

Denn wie wir am nächsten Morgen herausfinden sollten, fand an genau diesem Abend das Redentorefest statt, eines der größten Feste in Venedig, um genau zu sein das zweitgrößte nach dem venezianischen Karneval. Die Feierlichkeiten des Redentorefest erinnern an das Ende der Pest im Jahr 1577. Ein atemberaubendes Feuerwerk, das in der Nacht von Samstag zu Sonntag angezündet wirkt lockt jedes Mal tausende von Besuchern an. Im Becken von San Marco werden Lichtspiele projiziert. Bei Sonnenuntergang fahren die schön geschmückten Boote dann Richtung Lido. Auf den Booten wird dann traditionell venezianische Küche verköstigt, während man auf das große Feuerwerk wartet. Und genau das hatten wir verschlafen!

Dummerweise hatten wir uns offensichtlich vorher nicht ausreichend informiert und auch in der Stadt sahen wir keine Plakate. Also schlossen wir eine Art Pakt, dass in wir in spätestens 10 Jahren, wenn wir beide hoffentlich genug Geld für spontane Kurztrips zusammen hatten, noch einmal für ein Wochenende nach Venedig kommen würden, nur um uns dieses Fest anzusehen.

Um unseren Fehler wenigstens etwas wieder gut zu machen, beschlossen wir an diesem Sonntag zumindest eine ausgedehnte Stadttour zu machen. Diesmal fanden wir auch den Markusplatz auf Anhieb. Zumindest etwas! Wir besichtigten den Markusdom, den Markusturm und den Dogenpalast. Kleiner Tipp für den Markusturm: Wenn man nicht so lange in der Schlange stehen möchte, stellt man sich am Besten erst kurz vor Schluss oder in den frühen Morgenstunden an. Zudem sahen wir uns die Accademia von Venedig und die Santa Maria della Salute, eine beeindruckende barocke Kirche, welche aufgrund einer Pestepidemie erbaut wurde. Mit dieser Kirche bat man die Gottesmutter Maria die Epidemie zu beenden.

Am dritten Tag unserer Reise fuhren wir mit dem Boot nach Burano, einer der vielen schönen Inseln, die um Venedig lagen. Es gibt eine Tagestour für 20€ nach Burano, Murano Torcello,, aber uns reichte die Insel Burano, da wir auf dieser 3 – Insel- Tour nur wenig Zeit pro Insel hatten. Es lohnt sich etwas Zeit mitzubringen um sich die vielen bunten Häuschen in Burano näher anzusehen.

Wir fuhren mit einem Vaporetto für ca.6,50€ von der 5 Minuten entfernten Haltestelle nach Burano. Die Fahrt war nicht besonders angenehmen, auch wenn sie schon ein Erlebnis war, sofern man bequem stehen oder sitzen konnte. Es war ähnliche wie Bus fahren im Hochsommer in Berlin: viele Leute, wenig Deo.

Endlich angekommen besichtigten wir zuerst Burano mit all den schönen bunten Häusern. Die Fischerinsel Burano liegt in der Lagune von Venedig und ist bekannt für seine farbenfrohen Häuser. Bei Sonnenuntergang ging es für uns wieder zurück nach Venedig.

Am vorletzten Tag unseres Städterips bekam ich endlich meinen lang ersehnten Strandtag! Wir packten unsere Badesachen und fuhren vom Markusplatz mit dem Wasserbus für 6,50€ nach Lido, um einen entspannten Strandtag zu verbringen. Aber Lido bietet nicht nur viele schöne Bademöglichkeiten, sondern ist auch der Austragungsort der Filmfestspiele von Venedig.

Am letzten Tag beschlossen wir noch einmal uns etwas in Venedig umzusehen und noch ein letztes Mal alle Eindrücke dieser schönen Stadt in uns aufzunehmen,bevor es am Abend zurück gehen sollte. Leider wohnen in Venedig selbst nur noch sehr wenige Venezianer. Der Tourismus und die gestiegenen Mietpreise haben die Venezianer nach und nach in die Vororte von Venedig gedrängt.

Als es dann soweit war und wir zum Flughafen fahren mussten, waren wir dann doch etwas traurig, dass es schon so schnell wieder vorbei war. Aber wir haben einen Koffer voller Erinnerungen mitgenommen.

Leider befand sich zum Schluss darunter auch eine nicht so schöne Erinnerung. Wir hatten in den Tagen oft beobachten können, wie den Touristen oft unnötig Geld abgezockt wurde. Sei es durch die überhöhten Preise in den Cafes, bei den Straßenhändlern oder Rosenverkäufern. Ein besonders beliebter Trick der Rosenverkäufer ist es, verliebten Pärchen eine Rose zu “schenken”, aber dann ihnen hinterherzulaufen und dafür Geld zu verlangen.

Wir dachten jedoch, dass wir natürlich viel zu klug waren um auf so eine Masche herein zufallen. Als wir jedoch unsere Koffer über die Ponte della Costituzione zum Piazzale Roma schleppten, passierte es. Ein Mann bot sich an mir zu helfen und obwohl ich zuerst verneinte, nahm er meinen Koffer und trug ihn die verbliebenen fünf Treppenstufen hoch. Oben angekommen gab ich ihn zu verstehen, dass ich ihn ab jetzt alleine runtertragen könnte und wartet auf meine Freundin, die auch mehr oder wenig gewollt Hilfe bekommen hatte. Und dann wollten die beiden Männer eine “kleine” Spende in Höhe von 5€ für ihre Hilfe. 5€ für fünf Treppenstufen! Das fand ich dann doch etwas dreist.

Trotz dieses etwas unschönen Erlebnisses muss ich sagen, dass Venedig wirklich eine wunderschöne Stadt ist. Sollte sie wirklich eines Tages untergegangen sein, ist das auf jeden Fall ein großer Verlust. Und auch von dem miefigen Geruch, der angeblich vom Canale Grande aufsteigen soll, haben wir nichts gemerkt.

Lediglich die vielen Touristen empfanden wir manchmal als etwas störend, aber darüber dürfen wir uns ja eigentlich nicht beschweren, gehören wir ja selbst auch dazu.

Und auch, dass ein Urlaub in Venedig so teuer sein soll, können wir nicht bestätigen. Wir haben für 5 Tage Venedig inklusive Flügen knapp 250€ bezahlt. Dazu kommt natürlich noch Essen, aber es gibt einige hilfreiche Tipps wie man in Venedig nicht am Hungertuch nagt. Hier ein paar Tipps wie man auch als Student in Venedig überlebt:

1. Esse nicht direkt an den Sehenswürdigkeiten, zB am Piaaza San Marco

Oftmals zahlt man in den Restaurants mit schönem Ausblick, beispielsweise auf den Dogenpalast oder den Markusdom ordentlich drauf. Das geht von dem Euro zum Hinsetzen bis zum Bezahlen der Musik, welche in einiger Entfernung leise vor sich hin dudelt. Da kann eine Kaffee auch schon mal ganz schnell 8€ kosten. Besser: In den abgelegenen Straßen von Venedig essen.

2. Take away ist immer billiger

Wer noch etwas mehr sparen möchte, dem empfehle ich einen der vielen Take away Läden aufzusuchen. Damit spart man sich den Aufschlag fürs Hinsetzen. Und wenn man sich ein schönes Plätzchen am Canal sucht, hat man trotzdem einen schönen Ausblick, aber dafür viel Geld gespart.

3. Betrink dich clever

Die Bars und Kneipen verlangen oftmals horrende Preise. So kostet ein Bier beispielsweise auch schonmal 5€ und ein Aperol Spritz (eines der Lieblingsgetränke der Venezianer) bis zu 8€. Da ist es lohnenswert sich vorher im Internet zu erkundigen. Wir haben beispielsweise eine gute irische Bar im billigsten Viertel von Venedig, Cannaregio, gefunden. Hier kostet ein Bier ca. 3€, was verhältnismäßig in Ordnung ist. Aber auch die Bars “Miti” oder “Barcado Jazz” passen sich nicht dem venezianischen Preisstandards an.

4. Suche dir ein gutes Hotel in Cannaregio

Es lohnt sich stundenlang im Internet zu surfen und nach einem günstigen Hotel zu suchen. Um nicht komplett außerhalb von Venedig zu landen und dir einiges an Arbeit zu ersparen, verrate ich dir gleich: Cannaregio ist das günstigste Viertel in Venedig, auch für Hotels. Zudem liegt es relativ zentral, hat damit also ein gutes Preis – Leistungs Verhältnis. Von unserem Hotel aus sind wir nur 8 Minuten bis zur Rialtobrücke gelaufen! Noch günstiger, aber leider nicht ganz so zentral wird es nur in Lido.

5. Kaufe in den Supermärkten ein

Ein echter Sparfuchs bist du erst, wenn du in den regionalen Supermärkten einkaufst. Auch die sind in Venedig natürlich nicht mit den deutschen Preisen zu vergleichen, aber immerhin billiger als jeden Tag Essen zu gehen. Die Coop Supermärkte fand ich besonders empfehlenswert.

6. Fahre mit dem Wasserbus

In Venedig gibt es viele Möglichkeit vom Flughafen ins Hotel oder zu den Sehenswürdigkeiten zu gelangen, wie beispielsweise ein Wassertaxi oder die berühmten Gondeln. Am günstigsten sind aber die Vaporettos, die Wasserbusse!

Eine Gondelfahrt in Venedig haben wir übrigens leider nicht unternommen. Die waren uns dann doch zu teuer, aber auch das steht auf unserer Liste für unseren nächsten Besuch in Venedig in zehn Jahren!

Der Autor

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