Der geistvolle Genuss

Der geistvolle Genuss

Was für ein sinnlicher Genuss

Man atmet ein. Rauchiger Geschmack breitet sich im Mund aus. Manchmal Erde, manchmal Pfeffer, manchmal etwas ganz anderes. Was für ein sinnlicher Genuss. Man atmet aus. Der Rauch erfüllt die Luft mit einem kräftigen Geruch. Flüchtige Poesie durchzieht den Raum. Man greift zum Glas. Ein tiefer Atemzug folgt. Vielschichtige Aromen eröffnen sich. Ein leichtes Brennen begleitet sie. Der erste Schluck folgt. Eher ein Nippen. Hält das Getränk, was das Aroma verspricht? Ein echter Schluck. Man erlaubt dem Geschmack sich weiter auszubreiten, Rachen und Kehle zu passieren. Irgendwo kommt immer das Unerwartete.

Es ist eindeutig, wo wir uns befinden. Wir sind bei Zigarren und Spirituosen gelandet, in diesem Fall Whisky. Nicht sonderlich viele steigen tief in diese Materie ein. Doch wer sie einmal betritt, möchte sie nicht wieder verlassen. Zu faszinierend scheint es, die verschiedenen Sorten durchzuprobieren und sich stolz eine Hausmarke zu zulegen.

Wasser des Lebens

Der Whisky wird vermutlich bereits seit dem 5. Jahrhundert gebrannt trägt die bezeichnende Übersetzung: „Wasser des Lebens“. Wie fast alle Spirituosen wurde er irgendwann einmal verwässert, verschnitten, besteuert und verboten, bis schließlich eines Tages kluge Leute auf die Idee kamen wirklich gute Whiskys zu brennen. Heute gibt es in diesem Bereich eine unglaubliche Anzahl an exquisiten Variationen aus aller Welt.

Grundsätzlich wird ein Whisky meist aus gegärtem Weizen gebrannt. Auch wenn sich ein Whisky in viele Geschmacksregionen ausbreiten kann, so möchte ich kurz drei sehr bedeutende Einflüsse erwähnen. Das Darren, die Brennblase und die Lagerung. Zigarren sind im Vergleich eher jugendlich. Ebenso, wie Kartoffeln, Paprika oder Kakao, kam der Tabak erst mit der Entdeckung der neuen Welt nach Europa. Allerdings begann die Herstellung von Zigarren erst im 18. Jahrhundert und die Verbreitung in Europa erst im 19.. Schließlich wurden sie mit Beginn des 20. Jahrhunderts von der Zigarette zu weiten Teilen verdrängt.

Bruderliebe – Whisky und Zigarre

Nicht jeder mag Whisky und Zigarren, allerdings möchte ich hier jedem raten sie zumindest einmal ausführlich zu probieren. So unterschiedlich ihre Geschichte auch sein mag im Genuss passen sie sehr gut zusammen und vielen Kennern wird bei einem Wort warm ums Herz: Verkostung. Auch ich habe mich auf eine solche gewagt.

Die Location des Abends war das Yorckschlösschen, ein in Berlin Kreuzberg gelegener Jazzclub. Er ist mehr als 100 Jahre alt und bereichert seit 30 Jahren mit seiner Livemusik die Berliner Jazzszene. Der Besuch lohnt sich meist auch ohne speziellen Anlass. In dem grundehrlichen Ambiente lässt sich wunderbar das Kreuzberger Bier trinken und der hervorragenden Musik lauschen. Hier waren schon echte Weltstars zu Gast. Auch an diesem Abend gab es, wie zu erwarten war, keine seichte Hintergrundmusik, sondern kräftig-lebhaften New-Orleans Jazz von Roger & the Evolution.

Bereits bei unserer Ankunft lagen an unseren Plätzen die Zigarren bereit. Nach einer schnellen Einführung in den Abend ging es los. Schon nach kurzer Zeit hingen die typischen Rauchschwaden in der Luft und mit der einsetzenden Musik fühlte ich mich wie auf einer Zeitreise in die Vergangenheit. Bereits zu Anfang schien die Atmosphäre von einer angenehmen Distanzlosigkeit geprägt zu sein. Etwa stündlich wurde uns ein Dram Whisky serviert, auf Nachfrage wurde auch gerne nachgeschenkt und umfangreich über das Getränk philosophiert.

Wem die Variation an Whiskey nicht genügte, der durfte auch noch eine Runde exquisiten Rum probieren. Um der trockenen Kehle vorzubeugen waren großzügiger Weise Bier und Wein ebenfalls mit inbegriffen. Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Gegen Mitte des Abends gab es ein – verniedlichend als Schnittchen – bezeichnetes Buffet an dem man sich gut und gerne satt essen konnte. Gerade mit dem Essen ging wohl die letzte Anspannung verloren.

Nun war wohl die Zeit, zu der die meisten Leute sich an die zweite Zigarre machten und sich eine völlig entspannte Stimmung in den Raum legte. Die umliegenden Gäste, wie auch die Verkoster schienen Stück für Stück offener und gesprächiger zu werden. Der Alkoholgenuss spielte hierbei mit Sicherheit auch eine Rolle. So waren wir sowohl mit unseren Tischnachbarn, dem Besitzer, als auch den verschiedenen Verkostern in angeregte Gespräche vertieft. Am Ende des Abends konnte ich die Veranstaltung mit einem traurigen Herzen, aber gutem Gefühl verlassen.

Der Nikotinkater am Morgen danach

Die Auswahl der Spirituosen hat mir sehr gut gefallen. Es wurden drei schottische Whiskeys, einen Bourbon und eine Runde Rum ausgeschenkt. Alle waren zwar relativ mild und wenig rauchig, dennoch deutlich erkennbar verschieden. Für einen interessierten Einsteiger in die Materie gelang es ein deutliches Geschmacksspektrum zu vermitteln, ohne sich sehr weit voneinander zu entfernen. Außen vor gelassen sei dabei natürlich das Aroma des Bourbons, ebenso wie der Rum.

Auch die Zigarren brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Sie waren von guter Qualität und geschmacklich überzeugend. Die Auswahl war rein dominikanisch gehalten und damit ebenfalls relativ milde. Das war für mich allerdings auch zwingend notwendig, bei zwei Zigarren und einem Zigarillo würden schwere Zigarren wohl die meisten Gäste überfordern oder ungeraucht bleiben. Schon bei dieser Dosis habe ich am nächsten Morgen einen deutlichen Nikotinkater gespürt.

Sowohl atmosphärisch, als auch von den Verköstigungen war der Abend vollkommen gelungen. Leider finden sich bei solchen Veranstaltungen selten andere junge Menschen. Außerdem wäre es tatsächlich schön gewesen, wenn Wasser inklusive gewesen wäre. Dennoch war der Abend in jedem Fall ein Erlebnis, das ich jedem ans Herz legen kann. Egal, ob man einfach nur genießen möchte, oder etwas tiefer in die Materie einsteigen will. Es ist für alles gesorgt. Was will Mann mehr.

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  • Benjamin Strutz

    Benjamin Strutz ist Gründer und Herausgeber von Men's Quality.

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