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Welcher Beruf passt zu mir?

Welcher Beruf passt zu mir?

Welcher Beruf ist der Richtige für mich – Big Business oder Taxifahrer?

Anmerkung: Ich verzichte bewusst auf das „Gendern“ meiner Texte, da ich als überzeugte Feministin der Meinung bin, dass mit „Student“ ebenso ich gemeint bin wie ein männlicher Kommilitone.

Meine Rubrik mag sich bisher nahezu ausschließlich mit zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigt zu haben. Aber so sehr sich unser Streben, Handeln, ja unser Leben auch an diesen ausrichten mag, so wird unser Alltag auch von existenziellen Fragen wie beispielsweise dem Beruf bestimmt.

Im Idealfall ist es ja so, dass wir irgendwann im Laufe unserer Schullaufbahn feststellen, in welche Richtung es uns zieht. Für nicht wenige junge Menschen heißt es im Alter von 16 Jahren einen Beruf zu wählen, eine Ausbildung zu machen und hoffentlich damit glücklich werden. Für die sogenannten „Akademiker“ sieht die Sache schon etwas anders aus.

Die ganz Glücklichen unter uns haben sogar schon von klein auf davon geträumt Arzt oder Pilot zu werden. Was die Glücklichsten unter ihnen auch realisieren werden. In den meisten Fällen jedoch werden aus den kindlichen Wünschen wie „Erfinder“, „Tierärztin“ oder „Fallschirmspringer“ vagere Dinge, wie ein Germanistik- oder BWL Studium.

Germanistik oder BWL?

An dieser Stelle mag dem Leser vielleicht auffallen, dass diese beiden Richtungen schlecht vergleichbar sind. Zweiteres führt zumindest relativ wahrscheinlich zu einem mehr oder weniger ausreichend bezahlten Job. Während der Germanistikstudent möglicherweise lange auf ein geregeltes Einkommen hoffen muss und sich zwischenzeitlich in Gastronomiejobs wiederfindet.

So real, so dramatisch, aber eine sehr interessante Dokumentation über einen japanischen Sushi-Meister, der in Tokyo ein 10 Plätze Restaurant mit 3 Michelinsternen betreibt, hat mich über die Arbeit als Beruf nachdenken lassen. 

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Burnout als neues „Must-Have“

Unsere gängige Formulierung „einen Beruf ergreifen“ wurde ja schon länger durch den Anspruch „Karriere zu machen“ verdrängt. Neu dazugekommen sind Schlagwörter wie die Work-Life-Balance und der neue Trendsport des Burnoutquartetts, eine psychische Krankheit als „Must Have“. In der abendlichen Runde darüber reden wie viel man arbeiten würde und wie viel Stress man doch hat. Die Ironie dabei ist, dass aus der Kunst mit möglichst wenig Arbeit möglichst produktiv und sinnvoll etwas zu schaffen ein Wettbewerb geworden ist. Dieser erklärt den Ausgebranntesten von allen zum Sieger – so lange er so tut als würde er es „lieben“.

Lernen vom Meister

Von diesem Gedanken zurück zu unserem Sushi-Meister. Jiro-San ist in den 1920er Jahren in Japan geboren und wurde im Alter von nur neun Jahren in die Welt geschickt, um alleine zurechtzukommen. Er sah dies keineswegs als schreckliches Schicksal an, im Gegenteil, man kann sagen, dass er der Ash Ketchum des Sushis ist, nur eben ohne Pokemon. Er entwickelte den Anspruch, nicht auf der Straße zu landen, fand sein Talent mit dem rohen Fisch als unbezahlter Lehrling für Kost und Logis und lernte seine Berufung.

Wenn er nun, 75 Jahre später über seine Arbeit redet klingt es als spräche er über eine Geliebte. Er sagte nie er „muss“ arbeiten, und trotzdem widmete er sein ganzes Leben der Arbeit. Sein Anspruch ist die absolute Perfektion, seiner Aussage nach ein unerreichbares Ideal und sein Motto ist dabei, jeden Tag eine bessere Leistung abzuliefern als den Tag zuvor.

Selbstverwirklichung statt Hamsterrad?

Was nach einem entsetzlichen Hamsterrad klingt ist für einen Menschen der seine Tätigkeit als Berufung ansieht, der er gerecht werden möchte die pure Selbstverwirklichung. Vielleicht kennt Jiro-San dieses Wort nicht aber es ließ mich zu folgender Überlegung kommen:

Wäre nicht jede Tätigkeit gut genug eine Berufung zu werden wenn wir sie ernst nehmen würden? Ist es nicht eine wunderbare Vorstellung, jedem Beruf, der den eigenen Fähigkeiten entspricht mit Respekt und Achtung zu begegnen? 

Schließlich reflektiert sich die Handlung auch auf das eigene Selbstbild. Glänzt dieses nur, wenn wir den schillernden Erwartungen unserer Umwelt, Eltern, Medien entsprechen? Wenn wir uns von „Jungautoren“ einreden lassen unser Leben wäre nur dann ein Erfolg, wenn wir es in unserem Hobby zum beruflichen Erfolg bringen? Künstler werden? Berühmt werden?

Eine neue Sicht auf die Leidenschaft

Sollte es mir trotz Abitur, akademischem Abschluss, Bildungsbürgertum und mehr Spaß machen weiter zu schreiben, dann würde ich es tun. Selbst wenn ich eine Leidenschaft und Talent fürs Putzen hätte, dann würde ich gleich nach meinem Bachelor meine Passion zum Beruf machen. Mit dem Anspruch die beste Raumpflegerin (Neudeutsch für Putzfrau) zu werden die ich sein kann. Denn ich allein würde wissen: Ich kann das, ich mache das gerne und ich führe jede Bewegung mit Konzentration und Freude aus. So wie beim Schreiben dieses Textes meine Finger in einer erstaunlichen Geschwindigkeit über die Tastatur gleiten, so möchte ich arbeiten.

Im Umkehrschluss heißt diese Erkenntnis für mich, meine Arbeit und damit mich selbst zu respektieren. Dies selbstverständlich auch gegenüber meinen Mitmenschen zu tun.  Ich verstehe jetzt wieso mich der Anblick der Kassiererin im mittleren Alter in „meinem“ Rewe zufrieden macht. Ebenso wie den Anwälten bei „Suits“ dabei zuzusehen wie sie scheinbar mit Freude ihr ganzes Leben in Anzügen in einem Büro verbringen.

Es geht um das „wie“. Nicht um das „was“.

1 comment

  1. Hallo,

    vielen Dank für diesen tollen Text der einige interessante Gedanken enthält. Der Artikel beschreibt ziemlich genau, „wie der Hase so läuft“ und an welchen Stellen im Leben man sich so befinden kann und welche Auswege es gibt. Im Prinzip scheitert es vielen am Mut einfach das zu tun, was sie lieben, weil sie sich nicht 100% sicher sind.

    Danke,
    Gerd

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